Until Tomorrow
Als sich Fereshtehs Eltern zum Übernachtungsbesuch anmelden, steht die Studentin vor einem immensen Problem: wohin mit ihrer zweimonatigen Tochter? Diese süsse Kleine ist ein «Unfall»; Fereshteh ist nicht mit dem Vater ihrer Tochter verheiratet und lebt auch nicht mit ihm zusammen. Im Iran ist das ein höchst gefährliches Arrangement, da nicht-ehelicher Verkehr hart bestraft wird und Fereshteh sogar das Sorgerecht für ihre Tochter abgesprochen werden könnte. Ihre Eltern wissen nichts davon, weil Fereshteh ihr relativ unabhängiges Leben in der Grossstadt Teheran dadurch bedroht sähe.
Nun befreit die junge Frau hektisch die Wohnung von Babysachen und begibt sich sodann mit ihrer besten Freundin, der schlagfertigen Atefeh, auf die Suche nach einem Plätzchen für ihr Töchterchen.
Die Unterbringung der Kleinen entwickelt sich zu einer veritablen Odyssee: ein offiziell «nicht-existierendes» Kind, will niemand einfach aufnehmen, sei es auch nur für eine Nacht…
Ali Asgari erzählt Fereshtehs Geschichte ohne Pathos, dafür mit umso mehr Dringlichkeit. Das westliche Publikum sieht sich mit einer Situation konfrontiert, die erschüttert: Was ist das für eine Lebensrealität, in der Frau nicht einmal den eigenen Eltern von der unehelichen Schwangerschaft erzählen kann?
Als Zuschauer*in fiebern wir mit Fereshteh, lesen Kummer, Hoffnung und Angst in ihrem Gesicht und hoffen inständig, dass sie eine gute Lösung findet. Das Ende bleibt zum Glück offen…
Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp
«Until Tomorrow (Ta farda)», Iran 2022; Regie: Ari Asgari; ProtagonistInnen: Sadaf Asgari Ghazal Shojaei, Babak Karimi; Verleih: Xenix Filmdistribution; Homepage: https://www.xenixfilm.ch; Filmseite: http://www.xenixfilm.ch/fr/film_info.php?ID=12039
Ab 26. Januar 2023 im Kino
