Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush
Bremen 2001, im Haushalt einer türkischen Einwandererfamilie. Als Mutter Rabiye ihren ältesten Sohn an einem Oktobermorgen zum Frühstück ruft, ist dieser verschwunden. Wenig später stellt sich heraus, dass sich der 19-jährige auf dem Weg nach Pakistan befindet. Dort will der frisch verheiratete Murat seinen Glauben in einem Zentrum für Koran-Studien vertiefen.
Doch nur wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wird seine Reise als verdächtig eingestuft. Er wird in Pakistan verhaftet und ohne Gerichtsverfahren festgehalten. Gegen ein Kopfgeld wird er schliesslich an die US-Streitkräfte in Afghanistan übergeben und nach Guantanamo geschickt. Als Rabiye endlich über Murats Schicksal informiert wird, will sie seine Freilassung erwirken, ohne zu ahnen, dass dieser Prozess Jahre dauern wird.
Der Film von Regisseur Andreas Dresen beruht auf wahren Begebenheiten. Er erzählt vom unglaublichen Kampf der Mutter und einem deutschen Menschenrechtsanwalt gegen ein übermächtiges Regierungssystem.
Dresen verzichtet mutig darauf, das kontroverse Thema allzu ernst zu erzählen. Stattdessen verwandelt er die Geschichte in eine spritzige, schlagfertige Charakterkomödie über Recht und Willkür. Diese lebt vor allem von der unbändigen Energie seiner Hauptdarstellerin, der deutsch-türkischen Komödiantin Meltem Kaptan. Mit ihrem fröhlich-naiven Naturell wächst sie einem ans Herz und überzeugt in den lustigen, wie auch in den stillen und traurigen Momenten.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush», Deutschland/Frankreich 2022, Regie: Andreas Dresen, Besetzung: Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Nazmi Kırık, Verleih: Filmcoopi, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 12. Mai 2022
