Katholische Welt. Ist uns das Böse fremd geworden?
Während der italienische Dichter Dante – gemäss dem damaligen Weltbild – im 14. Jahrhundert noch eine Klassifizierung der Sünden versuchte, diese unterschiedlichen Höllenkreisen zuordnete und es damit ziemlich ernst meinte, lesen wir sein Inferno heute eher wie eine phantastische Märchengeschichte. Die Begrifflichkeiten des Bösen scheinen aus der Zeit gefallen: Wir bezeichnen uns zwar noch als Diät- oder Klimasünder, mit wirklicher Gewissenserforschung oder gar dem «in die Hölle kommen» hat das allerdings nicht mehr viel zu tun. Wir bestimmen heute selbst, was gut oder schlecht für uns ist und leben ohnehin in einem kontinuierlichen Status der Selbstoptimierung. Von den Kirchen möchten sich viele von uns diesbezüglich nichts mehr sagen lassen. Selbst gläubige Gemeindereferenten üben Kritik an der Beichte, die Erstkommunionkinder auch heute noch ablegen sollen, und einige Theologen haben in ihren Schriften bereits eine Abschaffung der Sünde für die heutige Zeit gefordert
