Evangelische Perspektiven. Missbrauch bei den Anhängern Jehovas Zeugen

Während in der katholischen und evangelischen Kirche mittlerweile ein Bewusstsein dafür entstanden ist, dass sexueller Missbrauch unter dem Dach kirchlicher Einrichtungen vielfach vorkam und ein besonders sensibler Bereich der Präventionsarbeit sein muss, entsteht ein solches Bewusstsein bei den Zeugen Jehovas offenbar nur langsam. Dabei ist eines klar: sexueller Missbrauch betrifft auch die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Eine Gemeinschaft, in der alle Lebensbereiche religiösen Regeln unterliegen. Eine Gemeinschaft, deren Anhänger in der Mitte der Gesellschaft leben und über die doch wenig bekannt ist. Die Verschlossenheit nach aussen sei der Grund, «dass hier sexueller Missbrauch nicht nur geschieht, sondern vor allem, dass er nicht aufgedeckt werden kann», meint Matthias Katsch, Mitglied der jüngst gegründeten Aufarbeitungskommission für sexuellen Missbrauch unter Zeugen Jehovas. Psychologe Dieter Rohmann spricht von moralisch-ethischen Vorgehensweisen, die «unterirdisch» seien. Rebecca Reinhard hat in erschreckend kurzer Zeit dutzende Betroffene gefunden. Zwei von ihnen hat sie kennengelernt – und erzählt ihre Geschichten