Fenster zum Sonntag. Nur gehörlos nicht behindert
Im September steht der Tag der Gebärdensprache und eine Woche später der Tag der Gehörlosen an. Gegenwärtig wird geschätzt, dass von der schweizerischen Gesamtbevölkerung etwa 12’000 Personen gehörlos sind. Wer sind diese Menschen und was heisst es, gehörlos zu sein? Gehörlose Menschen sind nicht stumm. Denn stumm wird häufig auch mit «sprachlos, keine Sprache haben» gleichgesetzt. Sprachlos sind hörbeeinträchtigte Menschen nun wirklich nicht, dank der Gebärdensprache. Haben wir irgendwo die Chance, eine Gruppe Menschen in Gebärdensprache miteinander sprechen zu sehen, fasziniert uns das. Die wenigsten wissen aber, dass hinter diesem vermeintlichen Kommunikationsbehelf eine ganze Kultur steckt. Die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache mit verschiedenen Dialekten und eigener Grammatik. Ihre Geschichte geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Einst wurden die angeblich «taubstummen» Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Heute verstehen sich die Gehörlosen als kulturelle Minderheit, wehren sich gegen das Stigma der Behinderung und kämpfen für die Anerkennung ihrer Sprache
