Ich, Reich-Ranicki
Der nach Warschau deportierte Abiturient Marcel Reich aus Berlin, der die NS-Herrschaft nur knapp überlebt, kehrt Ende der 1950er in die Bundesrepublik zurück und wird zum Starkritiker, zum Dompteur im Literaturzirkus. Seine Anhänger schätzen seine Lust, lauthals zu rühmen und zu tadeln. Seine Gegner werfen ihm Egomanie und grobschlächtige Kategorien bei der Beurteilung moderner Literatur vor. So kam es zu legendären Kontroversen Reich-Ranickis mit Günter Grass, Martin Walser, Peter Handke, Sigrid Löffler und, in Sachen der NS-Grösse Albert Speer, mit Joachim Fest – seinem Förderer, der ihn einst als Literaturchef zur «Frankfurter Allgemeine Zeitung» geholt hatte. Mit selten gezeigtem Archivmaterial und sehr persönlichen Erzählungen von Marcel Reich-Ranicki werden die Höhepunkte eines Jahrhundert-Lebens ebenso dargestellt wie die bedrohten Jahre, als die Nationalsozialisten beabsichtigten, den jungen Marcel Reich zu vernichten. Lutz Hachmeister und Gert Scobe entwerfen das Bild eines Mannes, dessen Lebenslinien seit seinen Jugendtagen zwischen Einsamkeit und Sehnsucht nach öffentlicher Anerkennung verliefen
