Sternstunde Musik. Richard Strauss und seine Heldinnen

Salome tanzt nackt und fordert vom betörten Herodes den Kopf des Johannes. Das blutige Haupt des Ermordeten liebkost sie dann wie von Sinnen: ein riesiger Skandal in der Staatsoper Dresden. Salome war 1905 aber nur die erste in einer ganzen Reihe von beunruhigend selbstbestimmten Frauenfiguren, mit denen Richard Strauss die bürgerliche Männergesellschaft seiner Zeit gleichzeitig begeisterte und empörte. Der deutsche Komponist, der den Untergang des alten Europas und zwei Weltkriege erlebte, verstand es, feinste weibliche Gefühle in Musik zu fassen. Dies bezeugen in Thomas von Steinaeckers Film «Richard Strauss und seine Heldinnen» grosse Strauss-Sängerinnen wie Renée Fleming, Brigitte Fassbaender und Christa Ludwig. Auch im Privatleben des Komponisten dominierten starke Frauen. Seiner Gefährtin Pauline, verschrien als Xanthippe, die ihren Gatten öffentlich demütigte, schrieb Strauss in seinem letzten Lied eine der berührendsten Liebeserklärungen der Musikgeschichte