Yi Yi
Mit «Yi Yi» kommt ein feinsinnig und meisterhaft inszeniertes Familien- und Zeitporträt aus Taiwan ins Kino, das Lebens- und Sinnkrisen auf berührende Weise darstellt. Im Mittelpunkt des Films steht eine gut situierte bürgerliche Kleinfamilie, bestehend aus dem Familienvater NJ Jian, einem vor einer Neuorientierung stehenden Computerfachmann; seiner Frau Min-Min, die das Hausfrauendasein satt hat und zu ihrem Guru in den Ashram flieht; der heranwachsenden Tochter Ting-Ting, die im Begriff ist, sich zu verlieben und Enttäuschungen verarbeiten muss, sowie dem achtjährigen Sohn Yang-Yang. Sie leben zusammen mit NJ´s Schwiegermutter, die am Abend eines ausgelassenen Hochzeitsfestes zu Beginn des Films einen Schlaganfall erleidet und damit für eine zusätzliche Belastung sorgt.
Der Film erzählt im Spannungsfeld von Geburt und Tod auf unspektakuläre Weise von den ersten und letzten Dingen, von familiären Krisen und gesellschaftlichen Umbrüchen, von alltäglichen Erwartungen und Enttäuschungen, in denen die Protagonisten sich selber finden müssen. Dabei weckt er Anteilnahme und schafft Raum für tröstliches Vertrauen. Unvergesslich bleibt die Figur des achtjährigen Yang-Yang, der mit seinem Fotoapparat die oft übersehene Kehrseite der Wirklichkeit zu entdecken sucht. Der Film ist eine Einladung zum Philosophieren mit Kindern und zum Überdenken des eigenen Lebens. Zu Recht hat er am Internationalen Filmfestival Cannes 2000 den Preis für die beste Regie und am Internationalen Filmfestival Fribourg 2001 den Hauptpreis «Grand Prix Regard d´Or» erhalten.
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
«Yi Yi – Und eins, und zwei», Taiwan 2000, Regie: Edward Young, Spielfilm, 173 Minuten. Besetzung: Nien-Jen Wu, Elaine Jin, Issey Ogata, Kelly Lee II, Jonathan Chang, Hei-Sheng Chen. Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org
