Flucht ins Paradies

Mit «Escape To Paradise» von Nino Jacusso kommt ein sehenswerter Film ins Kino, der die Träume und Hoffnungen von Asylbewerbern darstellt, wie sie mit der harten Wirklichkeit konfrontiert werden: Der 40-jährige Sehmuz Karadag, seine Frau Delâl und ihre drei Kinder sind kurdischer Herkunft und haben sich aus der Türkei in die Schweiz gerettet. Vorübergehend kommen sie in einem solothurnischen Asylzentrum unter, wo sie mit Flüchtlingen aus anderen Ländern zusammentreffen, die trotz ihrer Narben und Albträume dem Alltag immer wieder auch komische Seiten abgewinnen können.

Nach der Meinung eines kurdischen Landsmannes klingen die Schicksale der Flüchtlinge für die Asylbehörden nicht echt genug. Er schickt Sehmuz zu einem ehemaligen Schweizer Bundesbeamten, der ihnen gegen bares Geld eine glaubwürdigere, mit Dokumenten belegte Geschichte erfindet. Sehmuz überredet Delâl, ihren Familienschmuck zu versetzen. Voller Zuversicht kauft er sich aus dem Erlös eine neue Lebensgeschichte, die er mühsam und mit Hilfe seiner Kinder auswendig lernt. Bei der entscheidenden Befragung kann er sich aber nicht an das Wetter in Izmir erinnern und sieht sich gezwungen, sein eigenes wahres Schicksal zu Protokoll zu geben.

Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die mit direkt Betroffenen in eine dramaturgische Form gebracht wurden. Wie Sehmuz Karadag – der auch im wirklichen Leben ein kurdischer Flüchtling und Familienvater ist, der in der Schweiz um politisches Asyl nachgesucht hat – spielt auch eine Befragungsbeamtin des Kantons Solothurn ihre eigene Rolle. Dieses «Real Acting» gibt dem Film eine hohe Authentizität, welche durch die Kameraführung, die Ton- und Lichtgestaltung, das Dekor und die Musik noch verstärkt wird. Auf diese Weise kann das Publikum ein Familienschicksal nachvollziehen, das für Tausende von anonym bleibenden Asylbewerbern steht.

Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien

«Escape To Paradise», Schweiz 2001, Regie: Nino Jacusso. Besetzung: Fidan Firat, Düzgün Ayhan, Yildiz Nurrettin, Walo Lüond, Emil Steinberger, Laszlo I. Kish. Verleih: Filmcoopi Zürich AG. Kinostart: 20. September in Solothurn, 4. Oktober in Bern und weiteren Städten.