The House of Mirth

New York 1905 im Geldadel: Lily Bart ist hübsch, witzig und charmant, eine gesuchte Vertraute und mondäne Gesellschaftsdame. Ihr einziger Makel: Sie ist nicht reich – und das wird ihr schliesslich zum Verhängnis. Sie wird verleumdet, kompromittiert, ausgenutzt und schliesslich unbarmherzig verstossen. Dem englischen Regisseur Terence Davies gelingt – auch dank einer hinreissenden Besetzung der Hauptrolle – eine kongeniale Verfilmung des klassischen Romans von Edith Wharton. Das stimmungsvolle Frauenporträt ist eine subtile Satire auf den hohlen Schein der besseren Gesellschaft, die sich vornehm gibt und doch stets gnadenlos den eigenen Vorteil sucht. Darin aufgerieben wird Lily Bart, die einerseits bereit wäre, für den gesellschaftlichen Aufstieg die Liebe ihres Lebens zu opfern, andererseits aber genau das nicht übers Herz bringt. Sie schafft den Sprung nicht von der zynischen Attitüde zum Zynismus, denn sie erwartet vom Leben mehr als gepflegte Konversation. Ein stilles Melodrama über die High Society von einst, in welchem sich auch die „Spassgesellschaft“ von heute spiegelt.

Thomas Binotto, Journalist
scriptorium@binotto.ch

„The House of Mirth“ England 2000. Regie: Terence Davies. Besetzung: Gillian Ander-son, Dan Aykroyd, Eric Stoltz, Laura Linney. Verleih: rialto film, http://www.rialto.ch, Internet: http://www.spe.sony.com/classics/houseofmirth/index.html