Far From Heaven

Die kleinstädtische amerikanische Familienidylle mit dem erfolgreichen Ehemann, der stets bezaubernd lächelnden Gattin, den artigen Kindern und dem farbigen Personal, das Haus und Garten pflegt, ist perfekt – doch man spürt, dass etwas nicht stimmt. Schon das Filmplakat lässt die Risse in den Beziehungen zwischen den Protagonisten ahnen: Keiner blickt in die gleiche Richtung. Die positiv denkende und versöhnlich gestimmte Ehefrau Cathy – tragische Heldin des Melodramas, das den amerikanischen Traum der von Eisenhower geprägten Nachkriegsjahre spiegelt – ihr Ehemann Frank, der seine verdrängten homosexuellen Neigungen entdeckt, und der Gärtner Raymond gehorchen dem gesellschaftlichen Druck und gehen am Ende getrennte Wege.

«Far From Heaven» von Todd Haynes ist eine überzeugende Hommage an die Filme von Douglas Sirk aus den 50er-Jahren. Im Unterschied zu damals wird hier allerdings angesprochen und entlarvt, was zum Schutz der Familie einst tabu war. Deutlich wird, dass es vor allem die Frau war, die in den 50er-Jahren in einer von Vorurteilen und Repression beherrschten rassistischen Gesellschaft ihre Gefühle zu opfern hatte – Julianne Moore wurde für die Rolle der Cathy in Venedig 2002 als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien

«Far From Heaven», USA 2002, Regie: Todd Haynes. Besetzung: Julianne Moore (Venedig 2002: Beste Darstellerin), Dennis Quaid, Dennis Haysbert. Verleih: Monopole Pathé Films AG, Zürich.
http://www.farfromheavenmovie.com

Kinostart: 29. Mai 2003

„Far from Heaven“ ist Film des Monats Juni. Der Film des Monats kann als pdf geladen werden:
http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0603.pdf