Levit spielt Brahms

Schon 2010 zählte die Frankfurter Allgemeine Zeitung Igor Levit zu den «grossen Pianisten dieses Jahrhunderts». Da war der gebürtige Russe gerade 23 Jahre alt. In Brahms‘ forderndem Klavierkonzert bestätigt Levit dies eindrucksvoll. Der Weg, den Johannes Brahms mit seinem Ersten Klavierkonzert ging, war steinig: Zur fünfjährigen Entstehungsgeschichte kamen Selbstzweifel und Kritik bei der Uraufführung im Jahr 1859. Ursprünglich hatte Brahms eine Sonate für zwei Klaviere geschrieben und sie gemeinsam mit Clara Schumann ausprobiert. Bei der Uraufführung am Königlichen Hoftheater in Hannover sass der 25-jährige Brahms selbst als Solist am Flügel. Das Konzert wurde aber in Gänze verrissen. Ein namentlich nicht genannter Kritiker beklagte sich über «schreiendste Dissonanzen», über ein «Würgen und Wühlen» und dass die Komposition «an keiner einzigen Stelle etwas Fesselndes und Wohlthuendes» habe. Die Aufregung des Publikums scheint aus heutiger Sicht nur noch schwer nachvollziehbar …