Die Story im Ersten. Auf schmalem Grat
Der Aufmerksamkeitsbonus, den der heute 32-jährige Sebastian Kurz als Bundeskanzler der Republik Österreich und jüngster Regierungschef Europas noch vor einem Jahr für sich nutzen konnte, hat sich längst im rauen politischen Alltag verflüchtigt. Innenpolitisch bringt ÖVP-Chef Kurz das polternde und mitunter unsägliche Auftreten von Vertretern des rechten Koalitionspartners FPÖ in immer kürzeren Abständen in Erklärungsnöte. Auch aussenpolitisch bewegt sich Kurz auf einem sehr schmalen Grat, auf den er sich allerdings selbst begeben hat. Mit seiner frühen Ankündigung, Österreich würde künftig als «Brückenbauer» zwischen den Interessen der sogenannten Visegrad-Staaten und Brüssel vermitteln wollen, weist er seiner Regierung eine enorme Verantwortung zu. Besteht er als europäischer Krisenmanager im Spagat zwischen liberal und rechtspopulistisch oder scheitert er als entzauberter Politiker, von dem dann immer schon alle gewusst haben wollen, dass er für so grosse Aufgaben einfach noch zu unerfahren war?
