Lebenslinien. Gretel, das Krenweiberl
Lange gehörten «Krenweiberl» wie die 74-jährige Gretel zum Stadtbild Münchens: Frauen in ländlicher Tracht und mit geflochtenen Körben, die Jahr aus, Jahr ein in der Münchner Fussgängerzone sassen und frischen Meerrettich und andere Gartenerzeugnisse anboten. Gretel stammte aus einem kleinen Dorf in Franken und trat als junge Frau in die Fussstapfen ihrer Mutter, die vor ihr schon als fliegende Händlerin mit der «Hucke» voller Kräuter von Haus zu Haus gezogen war. Über fünfzig Jahre lang fuhr sie regelmässig von Heroldsbach nach München, lebte dort jeweils zwei Wochen in einer Dachkammer zur Untermiete und verkaufte bei jedem Wetter von morgens bis abends Kräuter aus ihren schweren Körben. Als ihr Mann erkrankte und arbeitsunfähig wurde, stand für Gretel fest, dass sie weitermachen würde. Bis ins hohe Alter traf man sie an ihrem Stammplatz bei der Frauenkirche
