Stefan George: Das geheime Deutschland

Über kaum einen Dichter des 20. Jahrhunderts wurde so gerätselt wie über Stefan George. Noch immer umgibt ihn das Mysterium, das er selbst schuf. Aber wer war er wirklich? Mit seinen zunächst symbolistischen, dann zunehmend prophetischen Gedichten gehört er, neben Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal, zu den bedeutendsten Dichtern der Jahrhundertwende. Er war auch eine der einflussreichsten kulturellen Persönlichkeiten seiner Zeit. Er war der unumstrittene charismatische Führer einer Freundesgruppe. Seine Anhänger fand Stefan George unter jungen Männern, die er nach griechischem Vorbild mit pädagogischem Eros an sich band. Als 1928 Georges letzter Gedichtband «Das Neue Reich» erschien, glaubte George schon nicht mehr an eine politische Umsetzung seiner Ideale. Was ihn nicht davor feite, von den Nationalsozialisten vereinnahmt zu werden. Er starb im Dezember 1933 im selbstgewählten schweizerischen Exil. Die Frage, welche Rolle Charisma in der Politik spielt, lässt sich am Beispiel Georges wunderbar illustrieren