Feature am Sonntag. Leben ist Leben, Tod ist Tod – Der Dichter Richard O. Moore

Als 2010 Richard O. Moores erster Gedichtband «Writing the Silences» erschien, hatte er gerade seinen 90. Geburtstag gefeiert. Im selben Jahr besuchte ihn Feature-Autorin Martina Gross zum ersten Mal als Zeitzeugen der literarischen Bewegung der San Francisco Renaissance in den 40er-Jahren. Wie allen Besuchern, las er ihr Gedichte vor, an denen er gerade schrieb, sprach über Anarchismus, Pazifismus und den Einbruch von Ginsberg & Co in die San Francisco Bay, und die Folgen. Als er 2013 fast völlig erblindete, war es ein Schlag, trotzdem blieb er, was er immer war: Neugierig auf neue Erfahrungen, auch auf die letzte: das Sterben. Bis zu seinem Todestag arbeitete er mit dem «Dichterkollektiv» zusammen, bestehend aus seinen sechs Kindern und einigen jungen Westküstendichtern