United States of Love
Wer aufgrund des Filmtitels der Geschichte von Regisseur und Drehbuchautor Tomasz Wasilewski auf heitere osteuropäische Romantik hofft, der sei hiermit vorgewarnt. Tatsächlich muss man sich auf freudlose Plattenbaubilder und eine ebensolche Geschichte gefasst machen. Diese bietet vielleicht erzählerisch keinen Ausweg aus der Tristesse, ist jedoch visuell spannend und herausfordernd.
In der polnischen Provinz, kurz nach der Wende, himmelt die Videotheksangestellte Agata heimlich den Dorfpriester an und ist zu ihrem Mann kalt wie Eis. Schuldirektorin Iza hat seit Jahren eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Doch als dessen Frau stirbt, beendet er aus Schuldgefühlen die Verbindung. Die Russischlehrerin Renata wird frühzeitig in Rente geschickt und vertreibt sich die Zeit damit, ihrer Nachbarin Marzena nachzustellen. Diese wiederum hat nur Augen für ihre Modelkarriere und vertraut deshalb einem zwielichtigen Fotografen.
Während die Sehnsüchte der vier Frauen unerfüllt bleiben, wird ihre innere Leere durch karge Bilder der Umgebung unterstrichen. Wasilewski wählte bewusst einen leisen und optisch sehr ansprechenden Übergang der einzelnen Geschichten, der die Frauen dennoch miteinander verbindet. Der Film bietet viel freie Interpretationsfläche. Denn der historische Kontext des politischen Umbruchs, der sich in kleinen Details widerspiegelt, sowie das Handeln der einzelnen Protagonistinnen, bedürfen mehrerer Blicke – auch, wenn es weh tut.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«United States of Love» (Zjednoczone stany miłości), Polen/Schweden 2016, Regie: Tomasz Wasilewski, Besetzung: Julia Kijowska, Magdalena Cielecka, Dorota Kolak; Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 5. Januar 2017
