Heart of a Dog

«Ist es eine Pilgerreise? Wohin?», fragt die Stimme der Performancekünstlerin und Musikerin Laurie Anderson aus dem Off. Begleitet von traumartigen Videocollagen, Zeichnungen und vielschichtiger Musik umkreist sie die Frage nach dem «was» und «wohin» des Lebens und des Sterbens. Sie erinnert sich an den Verlust ihrer Hündin Lollabelle, den Tod ihrer Mutter, an die Terroranschläge vom 11. September 2001 und thematisiert die davon ausgelöste Furcht und Überwachungspolitik. Diese Themen, die sich auf den ersten Blick nur schwer in einen plausiblen Zusammenhang bringen lassen, verwebt Laurie Anderson jenseits von Sehgewohnheiten und Erzählkonventionen sehr eindringlich auf einer assoziativen Ebene.

Ausgehend von reich bebilderten und von Klängen begleiteten Erinnerungen setzt Laurie Anderson sich mit der Verletzlichkeit des Lebens auseinander. Mit Worten ihres buddhistischen Lehrers, ihrer jüdischen Grossmutter, durch Zitate von grossen Philosophen und Passagen aus dem Tibetischen Buch der Toten, denkt die Künstlerin über das Sterben, den Tod, die Trauer und das Loslassen nach. Spruchreife Antworten auf existenzielle Fragen liefert «Heart of a Dog» nicht. Doch wer sich auf den Bewusstseinsstrom, den meditativen Fluss von Geschichten, Bildern und Musik einlässt, den beschleicht eine Ahnung, die ans Innerste rührt – und die sich wohl nur mit den Mitteln der Kunst beschreiben lässt.

Laura Lots, Redaktion Medientipp

«Heart of a Dog», USA 2015, 75 Minuten, Dokumentarfilm von Laurie Anderson, Verleih: Filmcoopi AG, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.heartofadogfilm.com

Kinostart: 23. Juni 2016