Lamb
Ephraims einziger Freund ist ein Lamm, welches er über alles liebt. Der Junge lebt mit seinem Vater in einem äthiopischen Dorf. Die Mutter starb vor einiger Zeit an Hunger. Vater und Sohn droht das gleiche Schicksal, da die Region von Trockenheit befallen ist. Sie verlassen das Dorf und reisen zu Verwandten, die eine Farm besitzen. Ephraim bleibt dort, während sein Vater in der Stadt Arbeit sucht. In der Familie fühlt er sich nicht wohl, einzig in der älteren Tochter des Hauses findet er eine Verbündete. Beide schmieden einen Rettungsplan, als der Onkel Ephraims Lamm für ein bevorstehendes Fest opfern will.
«Lamb» ist der erste äthiopische Film, der in Cannes als Wettbewerbsbeitrag gezeigt wurde und gleichzeitig auch das Regiedebüt von Yared Zeleke. Er zeigt uns sein Äthiopien: Blühende Landschaften, sattes Grün, tiefe Wälder. Eine atemberaubende Schönheit, Weite und Stille, die über allem liegt. Doch die Armut spart der Regisseur, der in einer Zeit des Krieges und der Unterdrückung gross wurde, nicht aus. Der Film offenbart Zelekes westlichen, durch seine Ausbildung im Ausland beeinflussten Blick. Die älteste, unverheiratete Tochter, die lieber Zeitung liest, als sich einen Mann zu suchen und Ephraim, der lieber kocht, als auf dem Feld zu arbeiten: Beide stehen für die Zukunft, von der sie träumen. «Lamb» ist eine Parabel über die Kindheit, die Hoffnung und darüber, dass das Loslassen auch etwas Gutes bedeuten kann.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«Lamb», Äthiopien 2015, Regie: Yared Zeleke, Besetzung: Rediat Amare, Kidist Siyum, Welela Assefa; Verleih: Trigon Film, http://www.trigon-film.org
Kinostart: 15. Oktober 2015
Am Filmfestival in Cannes 2015 wurde «Lamb» mit «Un certain regard» bedacht.
