L’Homme qu’on aimait trop
Sie verschwindet 1977 in Nizza spurlos: Die Millionenerbin Agnès Le Roux. Die junge, bildhübsche Frau gehörte zu einer Casino-Dynastie. Damals kämpfte ihre Mutter Renée gegen die Konkurrenz um die Vorherrschaft ihres Hauses in Nizza. Später kämpfte sie jahrzehntelang darum, den ungelösten Mord an ihrer Tochter aufzuklären. Es gab keine Leiche, keinen Hinweis auf einen Tatzeitpunkt und Tatort. Doch es war viel Geld im Spiel und das lieferte einen Hauptverdächtigen: Agnès Ex-Geliebten Maurice Agnelet.
Regisseur André Téchiné baut seine Geschichte um diesen mysteriösen Fall, der die französische Riviera erschütterte, langsam auf. So können seine Figuren ihre Aura der Undurchdringlichkeit entfalten. Die Entrücktheit der Charaktere macht es schwer, sich in sie einzufühlen. Ihr Schicksal berührt nicht so, wie es dies vielleicht tun sollte. Auch die Mutter-Tochter-Beziehung wirkt unterkühlt und man hat das Gefühl, dass die Mutter nur um sich selbst trauert, statt sich um ihre Tochter zu sorgen. Die Inszenierung dieser Kälte zwischen Palmen begleitet aber eine gewisse Faszination, der man sich nicht entziehen kann. Intensiv ist das Spiel von Guillaume Canet. Er mimt den skrupellosen Anwalt, der nach Geld und Macht strebt, mit einer spannenden Mischung aus Desinteresse und gefährlichem Charme. Der wahre Maurice Agnelet wurde zweimal des Verbrechens freigesprochen. Ein dritter Prozess brachte ihn dann für 20 Jahre ins Gefängnis.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«L’Homme qu’on aimait trop», Frankreich 2014, Regie: André Téchiné, Besetzung: Catherine Deneuve, Guillaume Canet, Adèle Haenel; Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 23. Juli 2015
