Star

Mascha möchte ein Filmstar werden. Sie ist nicht besonders begabt, möchte dies aber mit Schönheitsoperationen wettmachen: Ohren, Lippen, Brüste und Beine müssen korrigiert werden, damit die Chancen beim Casting besser werden. In einem Nachtclub, wo sie als Meerjungfrau arbeitet, trifft sie Kostia, den Sohn eines Moskauer Oligarchen. Der junge Mann flieht aus dem Käfig des neureichen Vaters und möchte das echte Leben spüren. Er verliebt sich in Mascha und dreht mit ihr krumme Dinger, um sie zu beeindrucken. In diese Welt der erfolglosen Bohémiens tritt bald auch Rita, die als Stiefmutter von Kostia abdankt und sich auf ein kurzes Leben als Schwerkranke einstellt. Die Lebenswege der drei Figuren verschränken sich in tragikomischer Weise.

Regisseurin Anna Melikian erzählt mit einem feinen Gespür für Ironie von den eitlen Ambitionen unserer Gegenwart. Der Film bleibt hart am Alltag, an den Moskauer Strassen und an den sozialen Gegensätzen, die sich in den Stadtlandschaften ausprägen. In dieser Sozialstudie überhöht Melikian die Erzählung in die Welt der Märchen: Abgründe tun sich auf und doch wird irgendwie alles gut. Mascha wirkt in dieser Inszenierung wie eine Fee, die sich im Leben verliert und gerade dadurch ihre wahre Bestimmung findet. «Star» ist ein Filmbijoux aus Russland, das die Frage nach dem authentischen Leben im falschen Streben nach äusserlicher Perfektion stellt.

Charles Martig, Filmjournalist Katholisches Medienzentrum
charles.martig@kath.ch

«Star», Russland 2014, Regie: Anna Melikian, Besetzung: Tina Dalakischwili, Severija Janushauskaite, Pawel Tabakow; Verleih: trigon-film; Internet: http://www.trigon-film.org

Kinostart: 9. Juli