Geronimo

Geronimo, Sozialarbeiterin in einer südfranzösischen Vorstadt, versucht die Spannungen zwischen Jugendlichen in der Nachbarschaft zu schlichten. Als die türkische Teenagerin Nil Terzi vor einer Zwangshochzeit flieht, scheint alles aus den Fugen zu geraten. Nil hat sich in den Rom Lucky verliebt und entzündet damit eine Feindschaft zwischen zwei Familienclans. Während die gegenseitigen Provokationen zwischen Türken und Roma zunehmen, kämpft Geronimo als «Streetworker» mit allen Mitteln gegen die wachsenden Unruhen.

Gibt es ein Entkommen aus der Spirale der Gewalt? Diese Frage stellt Regisseur Tony Gatlif, ein Franzose mit rumänischen Wurzeln. Er wählt dazu das Genre des Musikfilms und mischt es mit authentischen Bildern einer Sozial-Dokumentation. Die Tanzszenen erinnern an «West Side Story», haben aber ihre ganz eigene Prägung. Da das Musical aber auch von sozialem Realismus durchdrungen ist, baut sich auch formal eine Spannung auf. Dass hier viel eigene Erfahrung des Regisseurs einfliesst, der in diesem Milieu aufgewachsen ist, zeigt jede Einstellung des Films. Neben den fulminanten Inszenierungen von Flucht- und Kampfszenen ist vor allem die wild entschlossene Körperlichkeit von Céline Sallette als Geronimo beeindruckend. Sie ist bereit alles zu geben, damit die Gewalt nicht eskaliert.

Charles Martig, Filmjournalist Katholisches Medienzentrum
charles.martig@kath.ch

«Geronimo», Frankreich 2014, Regie: Tony Gatilf, Besetzung: Céline Sallette, Rachid Yous, Nailia Harzoune; Verleih: Pathé Films; Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.geronimofilm.fr

Kinostart: 4. Juni 2015

«Geronimo» ist unser Film des Monats Juni und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv