Nabat
Nabat wohnt mit ihrem Mann und den Erinnerungen an ihren gefallenen Sohn in einem abgelegenen Haus in Berg-Karabach in Aserbaidschan. Der ungelöste Konflikt um Berg-Karabach äussert sich durch hörbare, dumpfe Schüsse. Die Kamera begleitet Nabat bei ihrem täglichen, langen Weg ins Dorf, wo sie zwei Flaschen Milch von ihrer einzigen Kuh verkauft. Der bettlägerige Ehemann erkundigt sich immer wieder nach der politischen Lage und wird nie eine Antwort von ihr erhalten.
Eines Tages findet Nabat das Dorf menschenleer vor. Nabat und ihr Mann, der bald darauf stirbt, gingen bei der panischen Flucht der Dorfbewohner vergessen. Bei der täglichen Rückkehr in das Dorf haucht Nabat mit dem Licht der Öllampen den verlassenen Häusern Leben ein – in einer ruhigen und starken, emotionalen und spirituellen Ausdrucksweise.
Es werden Botschaften ohne Worte vermittelt, Nabat ist das Symbol für Frieden und Widerstand. Der Film widerspiegelt die Vergänglichkeit und gleichzeitig die Hoffnung mit hochpoetischer Kraft und Stärke. Beeindruckend sind die ausdrucksstarken Bilder mit intensivem Nahblick und die grandiose Kameraführung. Gesprochen wird wenig, der Einsatz der Musik ist dezent, spürbar ist zudem die Detailliebe im Setting. In der Ökumenischen Jury am Filmfestival in Mannheim-Heidelberg 2014 waren wir uns einig, dass selten ein Film einen dermassen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.
Christine Ris, Ökumenische Jury am Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2014*
«Nabat», Aserbaidschan 2014, Regie: Elchin Musaoglu, Besetzung: Fatemeh Motamed Arya, Vidadi Aliyev; Verleih: trigon-film, Internet: https://www.trigon-film.org/de
Kinostart: 14. Mai (Zürich, Bern, Basel, Aarau), 11. Juni: Luzern
*Christine Ris ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.
