El Tiempo Nublado

Solange sich Arami erinnern kann, leidet ihre Mutter an Epilepsie und Parkinson. Von Kindheit an musste sie sich um sie kümmern, als Erwachsene gelang Arami die Abnabelung. Inzwischen lebt sie mit ihrem Freund in Basel. Die Mutter wohnt nach wie vor in Asunción. Täglich versorgt sie die ungelernte Pflegerin Julia. Auch der allein lebende Vater kommt ab und zu vorbei. Doch der Zustand der Mutter verschlechtert sich. Schliesslich ist Arami gezwungen, für einen längeren Zeitraum in ihr Elternhaus nach Paraguay zurückzukehren. Die Frage nach der weiteren Pflege wird nun für alle Beteiligten existentiell: Muss Arami ihr Leben in der Schweiz aufgeben? Hält ihre Beziehung der Belastungsprobe stand?

Arami Ullón wirft mit ihrem ersten Dokumentarfilm eine universelle Frage auf: Was geschieht, wenn die Eltern pflegebedürftig werden? Die Idee, die Problematik zu dokumentieren, war dabei einerseits als Mittel zur Lösung des Problems gedacht, andererseits zur Betrachtung der eigenen Geschichte. Ullón ist auf der Suche nach Antworten. Sie lernt dabei, nicht alles verstehen zu müssen, um zu verzeihen, so dass sich Mutter und Tochter wieder annähern. Ganz stark ist der berührende Film immer dann, wenn er die Verzweiflung der Mutter zeigt, die sich ans Tanzen erinnert und nun auf fremde Hilfe angewiesen ist. Und die der Tochter, die hin- und hergerissen ist zwischen der Verantwortung für ihr vergangenes und ihr gegenwärtiges Leben.

Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch

«El Tiempo Nublado», Paraguay / Schweiz 2014, Regie: Arami Ullón, Besetzung: Arami Ullón, Mirna Villalba, Luis Ullón; Verleih: cineworx gmbh, http://www.cineworx.ch; Filmwebsite: http://www.eltiemponublado.com

Kinostart: 7. Mai 2015

«El Tiempo Nublado» ist unser Film des Monats Mai und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv