Schweizer Helden

Um ihre herablassenden Freundinnen, ihren Ex-Mann und ihre Tochter zu beeindrucken, will Sabine über die Weihnachtszeit mit Asylsuchenden ein Theaterprojekt auf die Beine stellen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Durchgangszentrums können allerdings kaum Deutsch und haben ihre eigenen Probleme. Doch die Geschichte des Freiheitskämpfers Wilhelm Tell weckt die Begeisterung der Männer und Frauen: Ausgerechnet Schillers Stück wollen sie an Neujahr auf die Bühne bringen. Kritische Pressestimmen, Sorgen um die zurückgelassenen Angehörigen in der Heimat, Konflikte untereinander und die ständige Angst vor der Ausweisung erschweren die Proben. Und als kurz vor der Premiere ein Darsteller abgeschoben wird, droht die Aufführung zu platzen.

«Wilhelm Tell» im Durchgangszentrum für Asylsuchende – auf den ersten Blick mag die Kontextualisierung des urschweizerischen Heldenmythos an einem Ort für Fremde amüsieren. Und so wird vor allem am Anfang des Films an Komik nicht gespart. Doch wenn die Protagonisten nachspielen, wie Tell einem vor Soldaten flüchtenden Mann über den stürmischen See hilft, wird die Erinnerung an jene Menschen wach, die auf der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben riskieren. Durch solche Szenen lässt Regisseur Peter Luisi die Schweizer Legende in einem unerwarteten Licht erscheinen und lädt das Kinopublikum ein zu überlegen, warum ausgerechnet Tell als Nationalheld gefeiert wird.

Laura Lots, Redaktion Medientipp
laura.lots@medientipp.ch

«Schweizer Helden», Schweiz 2014, Regie: Peter Luisi; Besetzung: Esther Gemsch, Karim Rahoma, Komi Mizrajim Togbonou; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch

Kinostart: 13. November 2014

«Schweizer Helden» ist unser Film des Monats November und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv