Sleepless in New York

Warum macht Liebe süchtig? Christian Frei geht in seinem Dokumentarfilm auf die Suche in New York, einer Stadt die niemals schläft. Doch die Gründe für die Schlaflosigkeit sind nicht der Lärm in Manhattan, sondern die Entzugserscheinungen des Verliebt-Seins. Nach der Trennung sind sie untröstlich: Die Floristin Alley Scott, der Cellist Michael Harriton, die Meerjungfrau Rosey La Rouge. Sie sind alle drei in diesem Ausnahmezustand voller Trauer und Tränen, Wachheit und Kreativität. Im antiken Griechenland wurde dieser Zustand als Wahnsinn der Götter bezeichnet, heute würde man eher von Dopamin-Sucht sprechen. Die Anthropologin Helen Fisher untersucht diesen Zustand des Hirns, die damit verbundenen Vorgänge und Befindlichkeiten: «Wenn Sie in der Liebe abgelehnt werden, lieben Sie diese Person immer noch. Tatsächlich lieben Sie diese Person noch stärker.»

Die Trennung führt zu einem selbstzerstörerischen Verhalten, bis sich ein neues Selbst herausbildet, das den Schmerz überwindet. Christian Frei fängt diesen Weg der Transformation in sehr schönen Bildern von Stadtlandschaften ein. Er kommt seinen Charakteren sehr nahe und zeigt sie in ihrer Verzweiflung. Die Forscherin Helen Fisher gibt diesen Bildern einen Sinnzusammenhang. Und so entwickelt sich im Kinoraum ein dichtes Empfinden, dass die Natur in Sachen Liebe wohl übertrieben hat, aber wir an dieser condition humaine auch wachsen und reifen können.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Sleepless in New York», Schweiz 2014, Regie: Christian Frei, Dokumentarfilm mit Helen Fisher, Michael Hariton, Rosey La Rouge, Alley Scott; Verleih: Praesens Film AG, Filmwebsite: http://www.sleepless-in-new-york.com

Kinostart: 16. Oktober 2014