The Way he Looks

Die Pubertät ist anstrengend genug. Wenn man blind ist, wird das Ganze noch komplizierter – zumindest für Leo. Seine Mutter ist überbesorgt, und seine Mitschüler schikanieren ihn. Nur seine beste Freundin Giovanna, die Leo schon von klein auf kennt, geht mit wohltuender Selbstverständlichkeit mit ihm um. Als der attraktive Gabriel in ihre Klasse kommt und sich mit Leo anzufreunden beginnt, ist Giovanna beleidigt – einerseits scheint ihr Leo abhanden zu kommen, anderseits hat sie ein Auge auf Gabriel geworfen. Doch auch Leo merkt, dass Gabriel für ihn plötzlich mehr ist als ein guter Freund.

Die Geschichte ist an sich unspektakulär, und doch deshalb wieder etwas Besonderes, weil der brasilianische Regisseur Daniel Riebeiro keinen Betroffenheitsfilm über Blindheit gemacht hat. Es geht ihm auch weniger um die sexuelle Orientierung seiner jugendlichen Protagonisten. Er erzählt ganz einfach von der ersten Liebe und den damit verbundenen Sorgen und Sehnsüchten. Dabei schenkt er der Wahrnehmung über Ohr und Haut grössere Beachtung als im klassisch visuellen Medium oft üblich. Gegen Ende entsteht zwar der Eindruck, Ribeiro hätte es nicht mehr geschafft, Angerissenes zu Ende zu bringen. Trotzdem aber ist «The Way he Looks» ein sorgfältig gestalteter, leichtfüssiger Teenager-Film mit feinem Humor und viel Empathie für die Figuren und ihre Gefühle.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«The Way he Looks» (Hoje Eu Quero Voltar Sozinho), Brasilien 2014, Regie: Daniel Ribeiro, Besetzung: Ghilherme Lobo, Fabio Audi, Tess Coelho; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, http://www.xenixfilm.ch

Kinostart: 14. August 2014