Une Estonienne à Paris
Jeanne Moreau spielt eine Pariser Diva, die sich durch die Anwesenheit ihrer estnischen Pflegerin belästigt fühlt. Regisseur Ilmar Raag inszeniert diese Geschichte jedoch nicht aus der Perspektive der alten Dame Frida, sondern aus der Sicht von Anne, die in Estland lebt und zu Beginn des Films ihre Mutter verliert. Nach diesem Abschied orientiert sich Anne neu und nimmt die Arbeit als Pflegerin in Paris an. Hier trifft sie auf Stéphane, ein ehemaliger Liebhaber der alten Dame, der sich Sorgen um ihr leibliches Wohl macht. Doch bald wird klar: Frida möchte gar keine Pflegerin sondern ihren Liebhaber Stéphane zurück haben. Eine schwierige Dreiecksbeziehung mit unterschiedlichen Loyalitäten und Spannungen entsteht. Die Annäherung zwischen den beiden Frauen braucht Zeit, doch schliesslich gelingt in diesem Konflikt zwischen den Kulturen und Lebensweisen ein glückliches Ende.
«Une Estonienne à Paris» wurde von der Ökumenischen Jury in Locarno ausgezeichnet, weil der formvollendete und exzellent gespielte Film auf berührende Weise existenzielle Themen wie Verlust, Altwerden, Liebe, Trauern, Nächstenliebe und die Begegnung mit den anderen aufnimmt. Insbesondere der Fokus auf die Sinnfrage und die menschliche Begegnung gab den Ausschlag für den Entscheid. Der Film ist auch gesellschaftspolitisch wichtig, weil er die Ost-West-Migration in Europa thematisiert und dabei das menschliche Gesicht dieses Austausches zeigt.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Une Estonienne à Paris», Frankreich / Estland / Belgien 2012, Regie: Ilmar Raag, Besetzung: Jeanne Moreau, Laine Mögi, Patrick Pineau, Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 13. Juni 2013
| «Une Estonienne à Paris» ist unser Film des Monats Juni und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv |
