Verliebte Feinde
«Bald bist Du mir Schatz, Gold, Edelstein, bald wieder Tyrann mit Peitsche und Knute, gegen den nur Dolch und Gift nützt. Ich bin tatsächlich oft innert einer Viertelstunde Dein Todfeind und Dein Anbeter», schreibt Peter von Roten einmal an Iris. Die Passage kennzeichnet ihre Beziehung: Sie streiten sich, suchen Abstand und sehnen sich doch nacheinander. Basierend auf Wilfried Meichtrys gleichnamiger Biografie erzählt «Verliebte Feinde» vom bewegten Leben des Schweizer Paars: Die Feministin Iris von Roten sorgte 1958 mit ihrem Buch «Frauen im Laufgitter» für Aufruhr. Als Politiker setzte sich auch Peter von Roten für die politische Gleichstellung der Frauen ein. Was sie propagierten, lebten die beiden auch in ihrer Beziehung und eckten in der bigotten Gesellschaft an.
Die Kombination aus Spielfilm, Interviews mit Zeitzeugen und Archivmaterial funktioniert erstaunlich gut, denn der fiktive Teil dient nicht bloss der Illustration oder Stimmungsmache. Der Spielfilm steht vielmehr im Zentrum und wurde sorgfältig besetzt: Mona Petri gibt Iris von Roten mondän und selbstbewusst, und Fabian Krüger widerspiegelt Peter von Rotens Zerrissenheit zwischen eigenständigem Denken und konservativ-katholischem Hintergrund. Obwohl der Film von einer brisanten vergangenen Zeit handelt, weist er bis in die Gegenwart hinein – ob es nun um das Beharren auf alten Zöpfen oder um das Vereinen von Kindern und Karriere geht.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Verliebte Feinde», Schweiz 2012, Regie: Werner Swiss Schweizer, Besetzung: Mona Petri, Fabian Krüger, Thomas Mathys; Verleih: Xenix Film, http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.verliebtefeinde.com
Kinostart: 21. Februar
