Was bleibt
Geplant ist ein gemütliches Wochenende bei den Eltern. Der Vater hat gerade seinen Verlag verkauft und freut sich auf die freie Zeit. Die erwachsenen Söhne sind mit Kind und Freundin gekommen. Man umarmt sich, ist zuvorkommend. Doch unter der idyllischen Oberfläche brodelt es; das zeigt sich subtil in spitzen Äusserungen, kurzen Wortwechseln. Im Hintergrund steht die Depression der Mutter, die das Familienleben seit jeher bestimmt. Als die Mutter beim Essen verkündet, fortan auf Medikamente verzichten zu wollen, spitzen sich die Konflikte zu. Sie eskalieren, als die Mutter bald darauf verschwindet und unauffindbar bleibt. Am Schluss stehen Traum, Vorstellung und Realität dicht nebeneinander. Vieles bleibt offen, aber das Ereignis löst die Familienmitglieder aus ihrer Erstarrung.
Der bewegende Film konzentriert sich auf das kleine Universum Familie, dessen Strukturen nachwirken, auch wenn die Kinder erwachsen sind. Zugleich spricht er elementare Themen an. Da geht es um Schuld- und Pflichtgefühle, um Einengung und Selbstbestimmung und um die Frage, wie weit Rücksicht gegenüber einem kranken Familienmitglied gehen soll. Dabei wird keine Lebensweise verurteilt; jeder Charakter ist facettenreich und dadurch plausibel, für jeden bringt man Verständnis auf. Das liegt an der feinfühligen Schauspielweise ebenso wie an der sorgfältig und ausgewogen komponierten Story, die auch harmonische Momente einschliesst.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Was bleibt», Deutschland 2012, Regie: Hans-Christian Schmid; Verleih: Filmcoopi Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 27. September 2012
