Un amor

Als Lisa in das argentinische Dorf zieht, ist der schüchterne Bruno sofort von ihrer Unverblümtheit fasziniert. Sie aber kommt mit Brunos bestem Freund Lalo zusammen. Bald treten erste Konflikte auf, denn Lisa geht unbeschwerter mit Leben und Liebe um als Lalo. Bruno ist stiller Beobachter, hin- und hergerissen zwischen Eifersucht und Loyalität. Aber dann verschwindet Lisa eines Tages, ohne sich zu verabschieden. Nach 30 Jahren treffen sich die drei wieder. Obwohl alle inzwischen ein eigenes Leben führen, sind die Gefühle wieder da: Hoffnungen, Sehnsüchte, Erinnerungen an Glücksmomente, aber auch an Verletzungen.

Die Gewissheit des Unwiederbringlichen verleiht dem Film einen wehmütigen Grundton, der verstärkt wird, weil in den Rückblenden auch stilistisch eine grosse Leichtigkeit vorherrscht: Da wird der Sommer in den 70er-Jahren in seiner ganzen Sinnlichkeit spürbar mit zirpenden Grillen, flirrendem Licht auf den Gesichtern, Baden im See.
Dennoch wird die Jugend nicht idealisiert und das Alter beklagt – vielleicht lässt sich sogar an manches anknüpfen, und nicht alles ist für immer verloren? «Un amor», basierend auf einer Kurzgeschichte von Sergio Bizzio, kommt ohne spektakuläre Handlungen und lange Dialoge aus. Der melancholisch-berührende Film verdankt seine Intensität vor allem den sechs Schauspielern, die durch feinste Gesten, Blicke und Berührungen ausdrücken, was unausgesprochen bleibt.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«Un amor», Argentinien 2011, Regie: Paula Hernández, Besetzung: Diego Peretti, Elena Roger, Luis Ziembrowski; Verleih: Trigon-Film, Internet: http://www.trigon-film.org

Kinostart: 30. August 2012

«Un amor» ist unser Film des Monats September und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv