Die Wiesenberger
Dass Erfolg auch gefährlich sein kann, wissen wir eigentlich und doch vermögen Ruhm und Showbusiness immer wieder zu verführen. Der Dokumentarfilm «Die Wiesenberger» führt diese alte Weisheit unaufgeregt und ergreifend vor Augen. Fast unglaublich schön die Bergbilder zu Beginn: die Innerschweiz von ihrer heimatlichsten Seite. Ob auf der Bergkante der Chorleiter mit seinem Aufnahmegerät, das er für seinen Juitzer unbeholfen in Betrieb setzt, ein Halbtonschritt hat es ihm angetan. Später wird er die Kompositionsidee mit seinen Kollegen für den Jodelklub umsetzen. Seit Jahren jodeln sie zusammen und holen Kraft, Freude und Erholung aus ihren Juitzern. Doch dann kommt die bedächtige Welt der Wiesenberger in Fahrt. 2009 treten sie im Schweizer Fernsehen auf und gewinnen prompt den Titel des «Grössten Schweizer Hits».
Über Nacht werden sie berühmt und plötzlich überhäuft mit Konzertanfragen. In ihrem Bus tingeln die Jodler bald an jedem Wochenende durch die Schweiz. Und dann flattert gar eine Einladung für Shanghai ins Haus. Einmalige Chance oder der Beginn der Zersetzung? Wie noch singen, wenn die eigene Ruhe abhanden gekommen ist? Und was ist mit den Kühen, mit der Familie daheim? Die Jodelgruppe droht an diesen Fragen zu zerbrechen.
Kein Wunder holte das moderne Märchen über den Jodlerchor, der plötzlich von Erfolg und Ruhm überrumpelt wird, an den 47. Solothurner Filmtagen im Januar 2012 den Publikumspreis.
Brigitta Rotach, Kulturjournalistin
brigitta.rotach@access.uzh.ch
«Die Wiesenberger», Schweiz 2011, Regie: Bernard Weber und Martin Schilt, Dokumentarfilm; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.diewiesenberger.ch
Kinostart: 23. Februar 2012
