Eine ruhige Jacke

«Was würde dir helfen, wenn du dich dünnhäutig fühlst?», fragt Xaver einmal. «Eine ruhige Jacke anziehen», schreibt Roman. Poetisch sind seine Sätze, dann wieder unerwartet die Rhythmen, zu denen sich die Alltagsgegenstände in Musik verwandeln. Der autistische Roman lebt in seiner andersartigen, fremden und für Aussenstehende gelegentlich verstörenden Welt. Radikal unvoreingenommen, ohne Kommentar, begleitet die Kamera den 26-Jährigen. Roman mag gefilmt werden, ja flirtet mit der Kamera. Sprechen aber tut er nicht. Subjektive Bilder, kunstvolle Auflösung der Umwelt, unerwartete Schnitte und Ausschnitte verblüffen immer dann, wenn Roman selber mit der Filmkamera seinem Erleben sinnlichen Ausdruck verleiht.

«Autisten sind eigentlich sehr moderne Menschen», macht der Betreuer Xaver Wirth gleich zu Beginn des Films klar. Denn sie unterwerfen sich ungern einem fremden Willen. «Roman ist so einer;  er kann seinen Willen nicht einem andern anpassen. Er will selber.» Die Beziehung von Xaver und Roman ist ein ständiger Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, zerbrechlich, intensiv und von Ungewissheit geprägt. Als Xaver während den Dreharbeiten unerwartet stirbt, stellt sich die Frage nach der Anteilnahme eines autistischen Menschen. «Eine ruhige Jacke» ist mehr als ein blosser Dokumentarfilm. In Form und Inhalt stellt er am Porträt des autistischen Roman Fragen nach menschlicher Kommunikation, Austausch und Selbstisolation.

Brigitta Rotach, Kulturjournalistin
brigitta.rotach@uzh.access.ch

«Eine ruhige Jacke», Schweiz 2010, Dokumentarfilm mit Roman Dick und Xaver Wirth. Verleih: Cineworx, http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.romanfilm.com

Kinostart: 15. Dezember in Luzern; 22. Dezember in Zürich, Basel, Bern, Winterthur

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