Aisheen – Still Alive in Gaza

Das Leben in Gaza gleicht einer Geisterbahn, die nicht mehr funktioniert. Mit dieser Metapher steigt der Schweizer Dokumentarfilmer Nicolas Wadimoff in seine Geschichten ein. Clowns spielen in Schulen, um mit den Kindern die tägliche Kriegsrealität zu verarbeiten. Ein Mädchen erzählt, wie es seine Mutter bei einem Angriff verloren hat. Verängstigte Tiere vegetieren im Zoo vor sich hin und hungern. Ein Olivenhain ist zerstört, jahrhundertealte Bäume sind in Fetzen gerissen. Der wehklagende Vater sammelt mit seinen Söhnen die Überreste ein, die nur noch als Brennholz dienen. Die Kinder fahren mit Fischerbooten hinaus aufs Meer, um festzustellen, dass es ausgefischt ist. Regelmässig donnern Flugzeuge über den Köpfen hinweg und Bombardierungen sind an der Tagesordnung.

Diesen Bildern der Trostlosigkeit setzt der Regisseur die Musik von jungen Rappern gegenüber. Die Band Darg Team singt vom Widerstand: «Wir brauchen keine Hilfe, wir brauchen Freiheit! Wir werden Gaza wieder aufbauen, Stein für Stein!» Gegen die Zumutung eines Endzeitdramas behaupten sich die Menschen in Gaza. «Aisheen» ist ein starker Film, der ungewöhnliche Bilder zeigt. Das Absurde und Surreale geht über in einen poetischen Realismus: Am Schluss ist das Karussell erfolgreich repariert und das Publikum fährt mit dem jungen Fahrgast mit. Ein Funken Lebensfreunde und Hoffnung ist trotz allem vorhanden.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Aisheen – Still Alive in Gaza», Schweiz/Katar 2010, Regie: Nicolas Wadimoff, Dokumentarfilm; Filmcoopi Zürich Internet: http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 9. Dezember 2010