Les plages d´Agnès
Sie ist eine der ganz grossen Regisseurinnen aus Frankreich. Sie ist aber auch eine Persönlichkeit, die mit Bescheidenheit und Liebe auf ihr Leben zurückblicken kann: Agnès Varda. Mit «Cléo de 5 à 7» zeigte sie 1962 in realer Zeit zwei Stunden im Leben einer Frau, die sich vor einer Krebserkrankung fürchtet. In «Sans toit ni loi» erzählte sie 1985 vom Leben einer Landstreicherin.
Den Rückblick auf ihr Leben gestaltet Varda als dokumentarischen Essay. Sie erinnert sich an ihre Anfänge als Regisseurin, ihren Lebensgefährten Jacques Demy, der 1990 an Aids starb; ihre beiden Kinder, ihre zehn Jahre in den USA. Dabei setzt sie sich als Bewohnerin ihres Quartiers in Szene. Mit einer verblüffenden Natürlichkeit zeigt die achtzigjährige Regisseurin Bilder aus ihren Filmen, Details aus ihrem Leben und erklärt: «Wenn man in die Menschen hineinschauen könnte, würde man Landschaften in ihnen finden. Würde man in mich hineinschauen, dann wären es Strände.» Sie öffnet die Filmbilder für die schöne Metapher der «plages» und inszeniert sich selbst am Strand. Die Art, wie sie mühelos das Kunsthandwerk der Regieführung mit Schnipseln kombiniert, zeichnete die Regisseurin schon immer aus. Aber das poetische Werk ist mehr als ein Selbstporträt: Es ist ein liebender Blick auf die Vergänglichkeit, auf die Wirkung der Erinnerung und auf die Kraft von starken Beziehungen.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Les plages d´Agnès», Frankreich 2008, Regie: Agnès Varda, Dokumentarischer Essay, Verleih: Agora Films, Internet: http://www.agorafilms.net/home.php
Kinostart: 17. Juni 2010
| Radiohinweis Dienstag, 15. Juni, 11.00 Uhr Reflexe. Filmemacherin Agnès Varda auf der Leinwand und an der Art Basel http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/reflexe/2741.sh10140243.html |
