Breath made visible
Während in der Tanz- und Kunstszene der Name Anna Halprin wohlbekannt ist, dürfte sie für das Schweizer Kinopublikum noch eine Entdeckung sein. Seit mehr als sieben Jahrzehnten erforscht sie die Bewegungskunst und hat dabei dem Modern Dance wichtige Impulse vermittelt. Was ist Tanz? Halprins kompromisslose Suche nach Antworten hat in den USA eine Ära der Experimente in Theater, Musik, Happening und Performancekunst ausgelöst. Das Filmporträt verbindet Interviews mit Bühnenauftritten in New York, Paris, Venedig, Stockholm; und zeigt die Künstlerin an den faszinierendsten Orten: im Meer, auf der Waldlichtung, in der Küche, oder auf dem Fahrrad. Die betagte Tänzerin strahlt eine ungebremste Entdeckungslust aus und verblüfft durch ihre unmittelbare Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod.
Der Regisseur Ruedi Gerber porträtiert die Tanz-Ikone mit Sorgfalt, Bewunderung und Souveränität. Er lässt auch kritische Stimmen zu Wort kommen, etwa die Einschätzung der Tochter Daria Halprin zu den wilden „Workshops“ in den 1960er-Jahren. Leitfaden bildet ein Auftritt von Anna Halprin in New York, in dem sie ihr Leben in einer künstlerischen Performance Revue passieren lässt. Hier kommen auch ihre jüdischen Wurzeln zum Vorschein. Wer wissen möchte, inwiefern der Grossvater mit seinem religiösen Tanz die Pionierin Halprin ein Leben lang inspirierte, sei der Film wärmstens empfohlen.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Breath made visible“, Schweiz / USA 2009, Regie: Ruedi Gerber, Besetzung: Anna Halprin, Lawrence Halprin, Merce Cunningham; Verleih: Rialto Film AG, Internet, http://www.rialto.ch, Filmwebsite: http://www.breathmadevisible.com
Kinostart: 14. Januar 2010
