John Rabe

Es sei das irritierende Bild gewesen, wie mehrere hundert Menschen ausgerechnet unter einer riesigen Hakenkreuzfahne Schutz vor dem sicheren Tod finden, das den Ausschlag für den Film gegeben habe. Diese Szene ist wie viele weitere den akribischen Tagebuchnotizen des historischen John Rabe entnommen. Einem deutschen Ingenieur, der das Siemenswerk in Nanjing führt und 1937 kurz vor seiner Heimreise vom Einfall japanischer Truppen überrascht wird. Angesichts drohender Massaker entscheidet er sich, zu bleiben, und setzt sich gemeinsam mit anderen westlichen Ausländern für den Schutz der Zivilbevölkerung ein.

Mit der Wucht eines Historienfilms à la „Schindlers Liste“ – voller Emotion und Hochspannung – wird die bislang unbekannte Geschichte dieses eigenartigen Helden erzählt. Deutschnational und NSDAP-Mitglied erweist er sich im kritischsten Moment nicht nur seiner chinesischen Belegschaft gegenüber als Patron alter Schule. Er tritt in einer ethischen Unbedingtheit für den Schutz der Schwächeren ein, die man nur bewundern kann. Gleiches gilt für seine im Film näher skizzierten Mitstreiter, eine Französischlehrerin, einen amerikanischen Arzt sowie einen deutsch-jüdischen Diplomaten. Dem Genre entsprechend mag manches verkürzt oder verklärt sein, was jedoch die informierende Leistung des Films über dieses dunkle Kapitel im zweiten japanisch-chinesischen Krieg nicht einschränkt.

Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch

„John Rabe“, Deutschland / China / Frankreich 2009, Regie: Florian Gallenberger, Besetzung: Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Steve Buscemi, Anne Consigny; Verleih: Rialto Film AG, Internet: http://www.rialto.ch, Filmwebsite: http://www.johnrabe.de

Kinostart: 3. September 2009

Schulmaterial von kinofenster.de ist als pdf abrufbar unter:
http://www.rialto.ch/Web/Filme/JohnRabe/Schulmaterial_John_Rabe.pdf