La Forteresse

Das „Empfangs- und Verfahrenszentrum“ in Vallorbe sieht so aus, wie es heisst: solide, grau und uncharmant. Es ist für Asylsuchende ein Nadelöhr unter anderen auf ihrem Weg in die Schweiz. Zwischen 30 und 60 Tagen dauert der Aufenthalt, während dem entschieden wird, ob ein Mensch bleiben darf oder gehen muss. 60 Drehtage lang begleitete Fernand Melgar, der spanischstämmige, in der Schweiz lebende Regisseur, den Alltag dieses ausseralltäglichen Ortes.

Kommentarlos beobachtend gibt sich der Film, kein Interviewer, keine Stimme aus dem Off, nur das, was die Kamera wie zufällig sieht. Die sucht sich keine Hauptfiguren, sondern zeigt ein Mosaik unterschiedlichster Leben, die hier für kurze Zeit aufeinandertreffen: Asylsuchende aus aller Herren Länder, Sicherheitskräfte, Seelsorger, Befragerinnen. Klischees werden durchbrochen, Klischees werden erfüllt. Welche Geschichten sind glaubhaft, was ist erfunden? Eine Gratwanderung, auf der sich auch plötzlich die Zuschauenden wiederfinden.

Natürlich gibt es sie nicht, die teilnahmslose Beobachtung. Die Bilder sind zwar unkommentiert, aber doch sehr beredt. Dass der Dreh im Winter erfolgte – zufällig oder dramaturgisch bewusst – lässt die Kontraste stärker hervortreten. Und schliesslich spricht der Titel unmissverständlich von einem Bollwerk. Der Film selbst bleibt zwar kommentarlos, doch ist er selbst ein informiert informativer, politischer Kommentar.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„La Forteresse“, Schweiz 2008, Regie: Fernand Melgar, Dokumentarfilm, Verleih: Look Now!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.laforteresse.ch

Kinostart: 12. März 2009

„La Forteresse“ ist Film des Monats März. Der Film des Monats kann als pdf geladen werden: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200903.pdf

Unterrichtsmaterialien zu „La Forteresse“ für die Sekundarstufe 2, die oberen Klassen der Sekundarstufe 1 und die Berufsschulen:
http://www.achaos.ch/kinokultur.html