Silent Light

Eine Dreiecksbeziehung im Milieu der Mennoniten und Wiedertäufer Mexikos: Johan ist ein gestandener Familienvater, der sich gemeinsam mit seiner Frau Esther und seinem Nachwuchs am Morgentisch andächtig versammelt. Doch das Familienidyll täuscht. Johan hat sich in eine andere Frau der bäuerlichen Gemeinschaft verliebt. Diese verbotene Liebe wird jedoch für alle Beteiligten umgehend sichtbar: für die Ehefrau, für den Vater, der als Pfarrer wirkt, und für die Arbeitskollegen. Die Geschichte lässt sich als Konflikt zwischen Verantwortung und Leidenschaft lesen. Ein Familienvater bricht aus seinem engen Umfeld aus und erlebt nochmals die Kraft der physischen Liebe, die ihn in eine schwerwiegende moralische Unruhe hineinführt.

Die Alltagswelt der Mennoniten in den mexikanischen Landschaften verfremdet die Erzählung erheblich. Die Rituale und Glaubenssätze der religiösen Siedlungskolonie bleiben im Hintergrund, sie sind lediglich der Kontext für diese universelle Geschichte. Und doch ist die Fremdheit dieser religiösen Gemeinschaft der entscheidende Punkt für die kontemplative Bewegung: ein Entrücktsein der Sinne, der Lebenswelt und des Traums. Regisseur Carlos Reygadas verbindet eine quasidokumentarische Alltagswelt bestehend aus Laiendarstellern und originalen Drehorten mit einem formal artifiziellen Stil. „Silent Light“ bekommt dadurch einen ätherischen Glanz und bietet einen Kinomoment der enthobenen Zeit.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Silent Light“ („Stellet Licht“), Frankreich/Mexiko 2007, Regie: Carlos Reygadas, Besetzung: Cornelio Wall Fehr, Miriam Toews, Maria Pankratz; Verleih: Look Now!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebseite: http://www.stelletlicht.com

Kinostart: ab 9. Oktober 2008 (Zürich, Luzern, Basel); ab Ende Oktober (Bern); ab November (Aarau, Thusis); ab Dezember (Baden-Wettingen); 28. Dezember bis 7. Januar (Solothurn)

„Silent Light“ ist Film des Monats Oktober. Der Film des Monats Oktober kann als pdf geladen werden unter:
medientipp.ch/pdf/filmtipp_200810.pdf

Ausführliche Kritik im film-dienst vom 7.10.2008:
film-dienst.kim-info.de/kritiken.php?nr=9680