Am Ende kommen Touristen

Mit einem sehr ruhigen, bewusst unspektakulären Erzählstil nähert sich der junge deutsche Regisseur Robert Thalheim der Geschichte des KZ Auschwitz. Er wählt dazu die Perspektive des 19-jährigen Sven aus Berlin, der seinen Zivildienst in der Begegnungsstätte des früheren KZ absolvieren muss. Von Anfang an ist klar, dass dies nicht seine Wunschdestination ist. In der Begegnungsstätte soll Sven Stanislaw Krzeminski betreuen, einen ehemaligen KZ-Häftling; doch obwohl es zu Stanislaws Aufgaben gehört, Schülern und Reisegruppen vom Holocaust zu erzählen, reagiert der alte Mann abweisend. Er kommandiert den jungen Mann h in einem herrischen Stakkato-Ton herum, der an die Befehle der KZ-Aufseher erinnert. Sven muss sich hier nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Gegenwart im polnischen Städtchen Oswiecim auseinandersetzen, das den heutigen Bewohnern keinerlei Perspektiven bietet.

Der Film geht den Widersprüchen neugierig und unvoreingenommen auf den Grund. Die Figurenzeichnung ist anrührend und stimmig. Das deutsch-polnische Verhältnis steht dabei neben einer zaghaften Liebesgeschichte, die etwas Hoffnung gibt. Ganz in der Gegenwart verankert, ist der Film ein vielschichtiges Lehrstück über eine deutsch-polnische Normalität, die sich bis heute nicht einstellen will. Thalheim gelingt es, das schwere Thema mit einem leichten Ton anzugehen und zugänglich zu machen.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Am Ende kommen Touristen“, Deutschland 2007, Regie: Robert Thalheim, Besetzung: Alexander Fehling, Ryszard Ronczewski, Barbara Wysocka; Verleih: Filmcooperative, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.amendekommentouristen.de

Kinostart: 16. Februar 2008 (Zürich), 6. März 2008 (Luzern)

bpb-Filmheft: http://www.bpb.de/files/1AUZJI.pdf