Pingpong
«Wir sind immer für dich da!», hiess es noch bei der Beerdigung seines Vaters. Aber als Paul tatsächlich bei Onkel und Tante auftaucht, sind sie alles andere als erfreut. Der 16-Jährige wird als Störenfried empfangen, doch nur zu gerne nimmt er die Rolle an, mal naiv freundlich, dann wieder provozierend. Die kumpelhafte Annäherung an Cousin Robert ist nicht einfach, vor allem nicht, weil Paul sich zunehmend von seiner berechnenden Tante faszinieren lässt. Die Stimmung ist angespannt, und Pauls Anwesenheit löst einiges aus, nur leider keine befreiende Katharsis, weder für ihn noch für seine Verwandten.
Eine Versuchsanordnung für vier Menschen und einen Hund, so das Konzept dieses deutschen Kammerspiels, angesiedelt im Niemandsland eines Einfamilienhauses mit Garten. Das präzise Spiel des Jungschauspielers Sebastian Urzendowsky in der Rolle des Paul ist eine Entdeckung. Von Anfang an ist spürbar, dass es unter der Oberfläche der wohl situierten Kleinfamilie brodelt. Dass es gerade nicht zu einer erlösenden Entladung der unterdrückten Emotionen und diffusen Sehnsüchte kommt, zeichnet den Film aus. Jede noch so kleine Befreiung zieht Verletzungen nach sich. Für Paul wird es zu einem lehrreichen Sommer, in dem er Erwachsensein als eine Art Stillstand kennen lernt, mit dem man sich arrangiert und andere manipuliert. Wie er einmal sein wird, wenn er richtig erwachsen ist, bleibt offen.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Pingpong», Deutschland 2006, Regie: Matthias Luthardt, Besetzung: Sebastian Urzendowsky, Marion Mitterhammer, Clemens Berg, Falk Rockstroh, Verleih: Columbus Film, http://www.columbusfilm.ch, Filmwebsite: http://www.pingpong-film.de
Kinostart: 8. März 2007
