Offside

Wenn in Teheran ein Match angepfiffen wird, stehen die Frauen im Abseits – angeblich zu ihrem eigenen Schutz vor den zotigen Sprüchen der Fussballfans. Um trotzdem dabei zu sein, tauschen manche Mädchen den Schleier gegen Baseballkappen oder Flaggen. Diejenigen, die von Kontrolleuren erkannt werden, kommen in Armeegewahrsam und müssen das Spiel hinter der Stadionmauer verbringen. Doch die Soldaten, die sie bewachen, haben bald ihre liebe Not mit den schlagfertigen und fussballbegeisterten Mädchen. Und was tun, wenn es nur Männertoiletten gibt?

Eine bessere Einstimmung auf die WM kann man sich kaum vorstellen. Gewitzt und frech kommt die iranische Komödie daher und schaut zugleich kritisch auf die Absurditäten eines repressiven Systems. Nebenbei (eben hinter der Mauer verborgen) ist die Stimmung des Qualifikationsspiels Iran gegen Bahrain mitzuerleben. Der fast nur mit Laien besetzte Film lebt von der Frische und Spielfreude gerade der jungen Frauen. Aber auch die Männerrollen sind vielschichtig angelegt, aufgespannt zwischen sozialem Zwang und zivilem Ungehorsam. Für iranische Verhältnisse ist der Film ausgesprochen mutig und bietet unbekannte Einblicke in den Teheraner Alltag. Kein Wunder, dass er an der Zensur vorbei entstehen musste, denn von den offiziellen Sittenwächtern kann hier wohl keiner mitlachen.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Offside», Iran 2006, Regie: Jafar Panahi, DarstellerInnen: Sima Mobarak Shani, Safar Samandar, Shayestah Irani; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch

Filmstart: 11. Mai 2006

«Offside» ist Film des Monats Mai. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0506.pdf