Bab’Aziz
Traumwandlerisch zieht der blinde Bab´Aziz mit seiner Enkelin durch die Wüste. Das quirlige Mädchen wähnt sich unterwegs zu einem Derwisch-Treffen, der Alte weiss, dass es seine letzte Reise sein wird. Auf ihrem Weg wird die Wüste zum Tableau farbenfroher Erzählungen. Traum und Wirklichkeit fliessen ineinander, losgelöst von den Fesseln an Zeit und Raum.
Der tunesische Regisseur Nacer Khemir steht in der Tradition arabischer Geschichtenerzähler und reist selbst als solcher immer wieder umher. Sein dritter Film ist in der Kultur des Sufismus und ihrer Träger, der Derwische, angesiedelt. Die mystische Bewegung ist im Islam verankert und sprengt doch immer wieder – wie jede Mystik – ihre religiösen Grenzen. Die Sufis tradieren ein reiches Erzählgut, ist doch religiös betrachtet die Welt mehr als blosse Realität. Und wo kann dieses Mehr besser entfaltet werden als in Geschichten? So lässt Khemir den Derwisch und seine Enkelin auf ihrer Gottsuche durch einen Bilderbogen orientalischer Erzählung wandern. Damit malt er ganz andere Bilder als die eines fanatischen Islams in den Medien. Er hat sein kulturelles Erbe eigenständig auf die Leinwand adaptiert und so auch vor einer westlich-orientalistischen Verkitschung bewahrt. Ein Film, der zum Mitträumen einlädt.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Bab´Aziz – Le prince qui contemplait son âme», Tunesien 2005, Regie: Nacer Khemir, Besetzung: Parviz Shahinkhou, Maryam Hamid, Nessim Kahloul; Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org
Kinostart: 15. Dezember
Radiotipp:
Ein Gespräch mit Nacer Khemir in „Reflexe“ am 19. Dezember, 11.00 Uhr, DRS2
