Coca: Die Taube aus Tschetschenien
Als Leiterin der Organisation «Echo of War» dokumentiert Sainap Gaschaiewa minutiös die Massaker in Tschetschenien. Unter Gefährdung des eigenen Lebens hat sie auf Video festgehalten, was im Hinblick auf zukünftige internationale Gerichtsverfahren als Beweismaterial wichtig sein kann. Gaschaiewa – von ihrer Familie mit dem Kosenamen Coca, die Taube, versehen – kommentiert die gezeigten Bilder und ordnet sie ein. Sie sitzt im Wohnzimmer neben einem grossen Stapel von Videokassetten, die sie vor Jahren vergraben hat und nun wieder zum Vorschein bringt. Nach den ersten Sequenzen lässt sich erahnen, welcher Schrecken in diesen Kassetten verborgen liegt.
Der Schweizer Regisseur hat Gaschaiewa als Leitfigur gewählt, weil er Partei ergreifen will. Aus dieser Erzählhaltung heraus bettet er sein Material in den internationalen Kontext ein und zeigt, wie die Protagonistin in der Schweiz Unterstützung erhält von: Walter Kälin, UNO-Sonderbeauftragter für die Menschenrechte Vertriebener, Andreas Gross, Tschetschenien-Beauftragter des Europarates und Walter Egli, einem reformierten Pfarrer. Dieser zweite Teil des Filmes ist konventionell und solide gestaltet, vielleicht auch etwas zu sehr an die Solidaritätsadresse appellierend. Brillant ist hingegen die Analyse der russischen Journalistin Anna Politkovskaja, die das Verhalten der russischen Föderation als kolonialistisches Erbe der Sowjetunion bezeichnet.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Coca: Die Taube aus Tschetschenien», Schweiz 2005, Regie: Eric Bergkraut, Dokumentarfilm; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.cocathedove.com
