Le promeneur du Champ de Mars

Gegen Ende seiner Regierungszeit begegnet François Mitterand – so die filmische Fiktion – dem jungen Journalisten Antoine Moreau. Der Präsident ist bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnet und befindet sich im Wettlauf gegen den Tod. In dieser Situation versucht der Journalist, ihm die letzten Weisheiten über Politik, Geschichte, Literatur und Liebe zu entlocken. Doch Mitterand bleibt zurückhaltend und signalisiert, dass die Suche nach Gewissheit immer auch von Zweifeln und von einer Unschärfe der Wahrnehmung begleitet ist.

Auf der Basis der Erzählung «Le dernier Mitterand» von Georges Marc Benamou hat sich der Regisseur für die fiktionale Figur des jungen Journalisten entschieden, der leidenschaftlich das Rätsel der historischen Persönlichkeit entschlüsseln will. Dabei wird Mitterand – hervorragend interpretiert von Michel Bouquet – als glaubwürdige Verkörperung des Sozialismus gezeigt. Mit präzisen Einstellungen und sorgfältig inszenierten Begegnungen entwickelt sich auf der Leinwand das Bild des letzten Monarchen Frankreichs. Dass diese historische Leitfigur eine Alternative zum globalisierten Kapitalismus vertrat, bleibt eine leise Ironie der Geschichte.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Le promeneur du Champ de Mars» (Der späte Mitterand), Frankreich 2004, Regie: Robert Guédiguian; Besetzung: Michel Bouquet, Jalil Lespert, Philippe Fretun, Anne Cantineau; Verleih: Monopol Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.lepromeneurduchampdemars.com

Kinostart: 26. Mai 2005

Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0505.pdf