Sophie Scholl – Die letzten Tage

Zivilcourage und Widerstand sind wieder auf der Tagesordnung. Marc Rothemund, ein junger Regisseur aus Deutschland, bringt mit «Sophie Scholl» ein Kammerspiel auf die Leinwand, das mit seiner Heldin die aktuelle Frage des Widerstands aufnimmt. Aufgrund von neuen Verhörprotokollen, die in den Stasi-Archiven gefunden wurden, hat Fred Breinersdorfer ein Drehbuch verfasst, das sehr genau die schwierige Situation der Widerstandskämpferin unter dem Nazi-Regime ausleuchtet. Sie wird von Julia Jentsch hervorragend interpretiert. Erstaunlich ist die kühle und zurückgenommene Inszenierung der Ereignisse, eine Art minimalistische Ästhetik, die sich auf die Psychologie der Figuren konzentriert.

Die Einschränkung auf die letzten sechs Tage im Leben von Sophie Scholl ergeben eine dichte Erzählung. Plötzlich geht alles sehr schnell: das Verteilen der Flugblätter in der Universität, die Verhöre, der Gerichtsprozess, die Hinrichtung. Erstmals wird die 21-Jährige auch als Christin gezeigt, die in ihrer Gefängniszelle betet. Ihre Stärke und Kraft bezieht sie aus dem Vertrauen auf einen Gott, der in ihrem sozialen christlichen Umfeld verankert ist. Christlicher Glaube erscheint hier als moralische Vernunft, die sich klar und selbstbewusst äussert. Die Ökumenische Jury an der Berlinale 2005 hat ihren Preis für «Sophie Scholl» mit dieser glaubwürdigen Darstellung begründet: «Das Psycho-Duell der glänzenden Schauspieler vermittelt das humane aufgeklärte Denken der jungen Studentin, das im christlichen Glauben wurzelt. Der Film verweist auf einen dialogfähigen, christlichen Standpunkt, der in konsequenter Zivilcourage und im Widerstand gegen totalitäre Denk- und Machtstrukturen seinen Ausdruck findet.»

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Sophie Scholl – Die letzten Tage», Deutschland 2005, Regie: Marc Rothemund, Besetzung Julia Jentsch, Fabian Hinrichs, Alexander Held; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.sophiescholl-derfilm.de

Auszeichnungen:
Ökumenischer Preis, Berlinale 2005
Silberner Bär für beste Darstellerin und beste Regie, Berlinale 2005
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=38101

Kinostart: 17. März 2005

Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0305.pdf

Links:
Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet umfangreiches Material für die Bildungsarbeit mit dem Film «Sophie Scholl»:
http://www.bpb.de/publikationen/N20HJA
Internettipp zur Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,1&meid=38813