„Wort zum Sonntag“: Appetit machen auf Religion
Der katholische Theologieprofessor Dr. Edmund Arens war bis Juni 2000 „Wort zum Sonntag“-Sprecher. An einer Veranstaltung an der Theologischen Fakultät Luzern sprach er über seine Erfahrungen beim „Wort zum Sonntag“ sowie über Möglichkeiten und Grenzen religiöser Rede im Fernsehen. Im folgende Zitat, welches ein Auszug seines Referates ist, beschreibt er mögliche Ziele des „Wort zum Sonntag“.
„Erstes Ziel einer Sendung wie dem „Wort zum Sonntag“ muss m.E. sein, dass sie verstehbar ist, also in verständlicher Sprache formuliert ist, nachvollziehbare Gedankengänge präsentiert und mit einleuchtenden Bildern und Symbolen arbeitet. Als zweites Ziel sollte das „Wort zum Sonntag“ zu einer Verständigung mit dem Publikum beitragen. Das hat zur Voraussetzung, dass der Sprecher das Publikum zum einen über seine Absichten orientiert und zum zweiten ein Angebot zum Verständnis der angesprochenen religiösen Situation macht, zu dem die ZuschauerInnen potentiell Stellung nehmen können, das sie sich also zu Eigen machen beziehungsweise ablehnen können. Verständigungsorientierung beinhaltet m.E. drittens, dass es im „Wort zum Sonntag“ nicht um dogmatical correctness gehen kann, sondern um eine rezipientenorientierte, alltagsnahe Behandlung relevanter religiös-spiritueller Fragen. Das „Wort zum Sonntag“ kann von daher auch keine elektronische Kirche im Sinn haben. Es stellt vielmehr eine offene Einladung zum Nachdenken über aktuelle Tagesfragen und -erfordernisse im offenen Horizont der biblisch-christlichen Überlieferung und Verheissung dar.
Wer mit dieser Sendung eine religiöse Alphabetisierung intendiert, überschätzt den Ort und die Möglichkeiten dieses Sendegefässes. Wer mit ihm religiöse Agitation und Indoktrination zu betreiben sucht, missbraucht den Service public. Am ehesten dürfte dem „Wort zum Sonntag“ die Absicht religiöser Animation entsprechen. Ihm ginge es dann darum, Appetit zu machen, Leuten den vielleicht schal gewordenen Geschmack am Religiösen (wieder) näher zu bringen, sie dazu zu ermuntern, im Licht des biblisch-christlichen Glaubens über die vielfältigen Probleme und Perspektiven ihres Lebens, unserer Gesellschaft und der Wirklichkeit im Ganzen nachzudenken. Solche religiöse Animation und Inspiration könnte darauf zielen, Menschen inmitten der multimedialen Informations- und Bilderflut auf das Wesentliche aufmerksam zu machen, sie aufzuwecken und aufzurichten. Dies entspräche dem Anliegen einer politisch wachen, öffentlichen Theologie, welche im Rahmen einer öffentlichen Kirche agiert. Diese mischt sich nicht zuletzt auf den elektronischen Marktplätzen ein; sie zeigt Präsenz auch an den televisionären Hecken und Zäunen.“
