Erstes Internetradio für Schweizer Katholikinnen und Katholiken

Am 27. Mai, dem Mediensonntag der Katholischen Kirche, nimmt radio.kath.ch seinen Betrieb auf. Unter der Adresse radio.kath.ch will das Internetradio für Schweizer Katholikinnen und Katholiken Religion und Gesellschaft auf den Puls fühlen.

radio.kath.ch ist eine Dienstleistung des Katholischen Mediendienstes und bietet von Montag bis Freitag täglich drei- bis fünfminütige Nachrichten aus Kirche, Religion und Gesellschaft, bei bedeutenden Ereignissen ein „Special“ – mit Interviews und Kurzkommentaren –, sowie wöchentlich den Magazinbeitrag „Prisma“ mit Berichten und Reportagen. Abrufen kann man das Programm je nach Wunsch und wann man gerade Zeit hat: Im Gegensatz zum konventionellen Radio mit festen Programmzeiten erlaubt das Internetradio einen gezielten Abruf einzelner Programmelemente.

Viel Begeisterung und wenige Stellenprozente
Redaktionell wird radio.kath.ch von Hansjörg Spring (51), Matthias Müller (29) und P. Willi Anderau (58) betreut. Spring und Müller gestalten bereits seit drei Jahren Beiträge für die Radioagentur kath.ch, welche den Lokalradios kostenlos Programmelemente zu religiösen Themen anbietet. Anderau, seit 13 Jahren bischöflich Beauftragter für Radio und Fernsehen sowie Ressortleiter Radio und Fernsehen des Katholischen Mediendienstes, ist der eifrige „Promoter“ von radio.kath.ch. Ab Mai werden die drei im Turnus den Redaktionsdienst versehen: „News“ recherchieren sowie Agenturmeldungen radiokonform aufbereiten, damit die Informationen knapp und leicht verständlich daher kommen; die wichtigste Quelle ist die Katholische Internationale Presseagentur kipa. Ausserdem werden die Redaktoren die „Prisma“-Beiträge recherchieren und produzieren sowie mit den „Specials“ auf aktuelle Ereignisse reagieren.
Für diese Aufgabenpalette stehen lediglich 90 Stellenprozente zur Verfügung. „Wir sind mit viel Arbeitswille und Begeisterung am Werk, aber mit der schwachen personellen Dotierung stossen wir an Grenzen“ erklärt Spring. Besonders an Reportagekapazität mangle es, hier hofft der Redaktor auf gute Zusammenarbeit der kirchlichen Kreise. Trotzdem freuen sich die Redaktoren über den „Pioniercharakter“ ihrer neuen Aufgabe. Matthias Müller: „Es ist spannend, nicht nur kircheninterne Kommunikation zu betreiben, sondern kirchliche und religiöse Inhalte nach aussen zu vermitteln.“ Doch ist das Internet bei kirchlich und religiös interessierten Leute wirklich bereits so akzeptiert, dass sie radio.kath.ch am PC hören werden? Die Internetradio-Macher sind zuversichtlich: „Der Kreis der Internetnutzerinnen und –nutzer wird immer grösser. Es ist eine Chance, dank dem Internet gerade junge Leute mit kirchlichen Themen anzusprechen.“

Zwischen redaktioneller Freiheit und „His Masters Voice“
Mit der Einführung von radio.kath.ch findet ein Paradigmenwechsel statt“ erklärt P. Willi Anderau. „Bisher hatte die Kirche im Radio oder Fernsehen kein eigenes Sendegefäss. Sie konnte sich nur auf die Printmedien stützen.“ In der Schweiz müssten die Service Public-Sender zwar von ihrem Auftrag her über Religion berichten, hätten dazu aber nur beschränkte Kapazitäten. „Mit radio.kath.ch ist es zum ersten Mal möglich, dass eine Redaktion im Auftrag der Kirche selber Themen setzt.“ P. Willi Anderau weiss, dass dank der Möglichkeiten, die das Internet bietet, in den letzten Jahren viele kirchliche und religiöse Radioprogramme von Privatanbietern geschaffen wurden, vor allem in Deutschland und Österreich. „Diese Programme sind aber oft einseitig konfessionell gebunden und bieten ihre Inhalte nicht kontrovers dar. Mir ist es ein Anliegen, der offiziellen Kirche ein Sendegefäss zur Verfügung zu stellen, bevor ´wilde Programm-Macher´ das Feld in der Schweiz besetzen. Bei radio. kath.ch soll eine freie, kontroverse Diskussion über religiöse Themen möglich sein, und gleichzeitig soll auch die offizielle Kirche ihre Ansichten publizieren können.“
 
 
Sabine Schüpbach
Moncia Lienin