Blumen für die Fernsehcrew!
Vor 50 Jahren strahlte das Schweizer Fernsehen die erste katholische und reformierte Live-Übertragung eines Gottesdienstes aus. Damals gab es in beiden Kirchen skeptische Stimmen – heute gehören die Gottesdienstübertragungen zum Fernsehalltag. Der katholische Fernsehbeauftragte Willi Anderau über „seine“ Fernsehgemeinde, Blumen und einen „normalen“ Jubiläumsgottesdienst.
Die Gottesdienstübertragungen erfreuen sich laut SF DRS einer „treuen Fernsehgemeinde“. Wie sieht die katholische Fernsehgemeinde aus? Kommen Sie in Kontakt mit den Zuschauern?
Häufig erreichen die Gottesdienstübertragungen am Sonntagvormittag den grössten Marktanteil an Fernsehzuschauern. Das heisst jede zehnte Person, die um diese Zeit eines der vielen möglichen Fernseh-Programme schaut, sieht die Gottesdienstübertragung; das sind in der Deutschen Schweiz etwa 60´000 bis 90´000 Personen. Oft melden sich die Leute nach dem Gottesdienst am Telefon. Die Menschen erzählen dann von ihren Sorgen, selten hört man Kritik aber sehr häufig freuen sich die Menschen, dass sie „einen so schönen Gottesdienst“ mitfeiern konnten.
Wie geht man heute mit der Frage um, dass man den Gottesdienst vor dem Bildschirm mitverfolgen kann, eine aktive Teilnahme (z.B. an der Eucharistie) dennoch ausgeschlossen bleibt? Geht nicht trotz Live-Übertragung beim Fernsehgottesdienst etwas Wesentliches verloren?
Gottesdienste können nur gefeiert werden, wenn Menschen an einem Ort zusammenkommen um zu beten und zu feiern. Deshalb ist eine Gottesdienstübertragung immer nur eine Ersatzlösung. Allerdings kann die Übertragung bei den Menschen am Fernsehen (oder Radio) die Sehnsucht nach Gott wecken und wenigstens helfen, dass sie sich in ihrem Herzen Gott zuzuwenden und vielleicht in den Worten und den Liedern des Gottesdienstes Trost finden. Und das ist auch nicht wenig!
Werden sich die Gottesdienstübertragungen in Zukunft stark verändern? Wie könnten Gottesdienstübertragungen in zehn, zwanzig Jahren aussehen?
Die Gottesdienstübertragungen werden sich so ändern, wie sich die Liturgie in der Kirche ändert. Ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr zielgruppenorientierte Gottesdienstformen finden, da klafft eine empfindliche Lücke für jugendgemässe Gottesdienste.
Was sind Ihre Zukunfts- oder Geburtstagswünsche zum 50-jährigen Jubiläum der Fernsehgottesdienst-Übertragungen?
Keine Wünsche – aber Blumen möchte ich einmal den gut 20 Leuten vom Fernsehen überreichen, die jeweils mit viel Einsatz und viel Liebe zum Detail die Gottesdienste am Fernsehen so gestalten, dass man glauben könnte, man sei mitten drin.
Wie wird das Jubiläum 50 Jahre katholische Gottesdienstübertragung auf SF1 am 31. Oktober gefeiert?
Zur selben Zeit in derselben Stadt übertragen wir einen ganz normalen Sonntagsgottesdienst, gut durchdacht und gut durchgestaltet wie immer. Im Vorfilm und im „Nachgefragt“ werden wir auf das Jubiläum zu sprechen kommen.
Die Fragen stellte Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch
| 50 Jahre Gottesdienstübertragungen auf SF DRS Am 31. Oktober 1954 wurde der erste katholische Gottesdienst aus Zürich live übertragen. Vier Wochen später, am 28. November 1954, kam der erste reformierte Gottesdienst aus Kilchberg ZH. Auf den Tag genau 50 Jahre später werden beide Jubiläumsgottesdienste in „Sternstunde Religion“ auf SF1 live ausgestrahlt: Sonntag, 31. Oktober: Sonntag, 28. November: Das Schweizer Fernsehen überträgt fast jeden Monat einen Gottesdienst der verschiedenen Konfessionen: Dabei wechseln sich römisch-katholische, evangelisch-reformierte, ein christkatholischer sowie zwei bis drei ökumenische Gottesdienste im Laufe des Jahres ab. Ferner findet seit geraumer Zeit einmal im Jahr die Übertragung einer Feier aus einer anderen Religion statt. |
Link:
Mitfeiern hat Tradition – Der reformierte Fernsehbeauftragte Martin Peier zum Jubiläum der Gottesdienstübertragung
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=34349
