Salvador Allende

Film ist ein Medium der Erinnerung und spielt dann seine Stärken aus, wenn es visuell zur Memoria der Gesellschaft beiträgt. Der 11. September 1973 ist aus der Perspektive des lateinamerikanischen Kontinents ein historischer Schicksalstag, weil an diesem Datum der demokratisch gewählte, chilenische Präsident Salvador Allende durch den US-amerikanischen CIA gestürzt wurde.

Patricio Guzmán, der diese Zeit als junger Filmschaffender erlebt hat, legt die politischen Wandbilder von damals frei. Er zeigt ein differenziertes Porträt der Führungsfigur Allende, der offen war für die Anliegen seines Volkes und der beharrlich für das Wohl der Bevölkerung arbeitete. Einige der Dokumente und Fotografien waren über 17 Jahre lang in der Erde vergraben. Allendes Amme hatte sie dort versteckt und vor der Zerstörung bewahrt. Wie ein Archäologe bearbeitet Guzmán diese Spuren der demokratisch-revolutionären Geschichte Chiles. Dabei vermeidet er das Pathos der revolutionären Romantik und verschreibt sich vielmehr der empathischen Betrachtung sowie der genauen Recherche. In dieser Geschichte vom Aufstieg und Fall Allendes kommt eine persönliche Betroffenheit mit einer informierten politischen Haltung zusammen. Das Ergebnis ist ein ergreifender Dokumentarfilm, der die Person Allendes differenziert ausleuchtet und in das öffentliche Bewusstsein zurückholt.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Salvador Allende“, Chile 2004, Regie: Patricio Guzmán, Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org

Zum Dokumentarfilm „Salvador Allende“ sowie zu einer Reihe von neuen lateinamerikanischen Filmen ist das TRIGON-Magazin 26 erschienen: http://www.trigon-film.org

Kinostart: 1. Oktober 2004